© Eduard-Mörike-Gymnasium Neuenstadt a. K.
„Fastnacht der Hölle - Der Erste Weltkrieg und die Sinne“ - eine Ausstellung im Haus der Geschichte Stuttgart Unsere   Führung      begann   mit   einigen   grausamen   Zahlen   und   Fakten   rund   um   den   ersten Weltkrieg,     den     ersten     industrialisierten     Krieg     mit     neuer     Kriegstechnik.     Den Ausstellungssaal   säumt   eine   Zeitleiste,   in   der   die   Geschehnisse,   teilweise   bis   auf   den Tag   genau,   zusammengefasst   sind.   Unsere   erste   Station   lud   uns   ein,   einige   Eindrücke des   ersten   Weltkriegs   in   Form   von   riechen   (Schützengraben,   Blut,   Urin,   Erde,   Feuer   und Verwesung),   schmecken   (Kriegszwieback,   gebacken   ohne   Milch,   Fett   und   Eier),   hören (Artilleriefeuer   und   Bombenangriffe),   sehen   (Bilder   dieser   Zeit)   und   spüren   (Kälte,   der die   Menschen   überall   ausgesetzt   waren),   zu   erleben.   So   konnte   man   beispielsweise   das Kanonenfeuer   durch   Kopfhörer   hören,   was   einem   das   Gefühl   vermittelte,   dabei   gewesen zu   sein   und   vorstellbar   machte,   wie   die   beteiligten   Soldaten   noch   Jahrzehnte   später unter   den   traumatischen   Folgen   dieses   grausamen   Klangteppichs   litten.   Durch   dieses „durch   die   Sinne   erleben“   erfährt   der   Besucher   die   Eindrücke   durch   einen   anderen, weniger distanzierten, Standpunkt. Danach    bot    sich    uns    der    Anblick    auf    unzählige    Fundstücke,    wie    Gasmasken, Instrumentenkoffer,   Werkzeuge   und   alte   Briefe,   hinter   Glasscheiben   aufbewahrt   und sorgfältig   mit   Kärtchen   versehen,   die   den   Leser   über   Nutzen   und   nähere   Details   des jeweiligen   Gegenstandes   informieren.      Ergänzt   wurden   diese   Informationen   durch   die Beiträge   der   Leiterin   unserer   Führung   und   die   aufleuchtenden   Pepper-Ghosts,   die   von Zitaten     der     Soldaten     oder     allgemein     Beteiligten     handelten.     So     konnte     man beispielsweise   anhand   einer   alten   Zeichnung   die   Erfindung   eines   einfachen,   mit   dem Fuß   zu   betätigenden   Wasserspenders   die   verbesserte   Hygiene   erkennen   und   anhand von    Instrumenten    und    Liedtexten,    begleitet    durch    eine   Aufnahme,    erleben,    wie    die Angehörigen, Kameraden und Freunden mit Musik den Gefallenen gedachten. Ein   Kartenspiel   für   Kinder,   das   durch   einfache   Reime   die   Kinder   dazu   antrieb   weniger   zu essen,   da   es   gut   für   das   Vaterland   sei,   zeigte,   dass   die   Härte   dieses   Krieges   schon   die Allerkleinsten     betraf.          Man     konnte     außerdem     verzierte     Porzellanschüsseln     mit Schriftzügen   („Gruß   aus   dem   Felde“)   und   Zeichnungen   sehen,   die   die   Soldaten   für   ihre Familien    fertigten,    als    Gruß    und    als    Beschäftigung,    wenn    sie    teilweise    Tage    ohne besondere   Vorkommnisse   verbrachten.   Filme   zeigten   wie   in   dieser   Zeit,   die   Amputation eines   Armes   oder   eines   Beines   als   kalte   Tatsache   dargestellt   wurde,   indem   sie   auf verzerrte   Weise   darstellten,   wie   der   Alltag   trotz   einer   künstlichen   Hand   weitergehen kann,   wie   man   trotzdem   „ganz   normal“   schreiben   oder   sich   die   Zähne   putzen   konnte. Briefe,   weit   über   tausend,   geschrieben   von   einem   Ehepaar   mit   Zwillingen,   zeigten   die Sehnsucht   der   Soldaten   nach   ihrer   Familie   und   ihrer   Heimat.   In   diesem   Beispiel   musste der   Vater   die   Familie   verlassen   als   die   Söhne   gerade   einmal   ein   Jahr   alt   waren,   doch man   hätte   in   jeder   Familie   das   gleiche   Schicksal   finden   können.   Die   Frau   legte   Blumen bei   um   ihn   an   die   Heimat   zu   erinnern   und   die   Briefe   waren   für   die   Soldaten   und   ihre Angehörigen   eine   unverzichtbare   Verbindung   -   und   ein   Beweis,   dass   der   Vater,   Bruder, Sohn,   Freund   oder   Cousin   noch   am   Leben   war.   Zu   allerletzt   gingen   wir   eine   weitere Vitrine entlang mit Zitaten und Filmen von Soldaten und deren Nachfahren. Die   Erinnerung   an   den   ersten   Weltkrieg   existiert   normalerweise   nur   noch   schwarz-weiß, durch   Erinnerungen   und   Fotos.   Doch   heute   sammelten   wir   neue,   geradezu   lebendige Eindrücke,    die    diesen    teilweise    schon    eingestaubten    Teil    der    Weltgeschichte,    im Blickpunkt auf Baden-Württemberg, neu aufleben lassen. Mehr    als    Fakten    -    Danke    für    die    Exkursion    zu    der    interessanten    und    informativen Ausstellung „Fastnacht der Hölle“. Quelle:  http://www.myvideo.de/watch/9525331/Stuttgart_Fastnacht_der_Hoelle
Eduard-Mörike-Gymnasium Neuenstadt a. K.